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Faszien verstehen: Die faszinierende Verbindung von Körper, Bewegung und Empfindung

21. Aug.
3 Min. Lesezeit

Empfindung als Teil körperlicher Zusammenhänge


Faszien sind mehr als das, was wir vielleicht zunächst unter Bindegewebe verstehen. Sie durchziehen unseren Körper wie ein weit verzweigtes Netzwerk und verbinden Strukturen miteinander. Muskeln, Knochen, Organe, Nerven und Haut stehen nicht einfach unabhängig voneinander im Raum. Unser Körper ist ein zusammenhängendes System, in dem vieles miteinander in Beziehung steht.


Je mehr ich mich mit dem Körper beschäftigt habe, desto faszinierender wurde für mich genau diese Verbindung.


Mein Wissen darüber ist über viele Jahre gewachsen, durch meine praktische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen von Körperarbeit und Bewegung sowie durch die intensive Fachliteratur. Ein Buch das mich dabei besonders bereichert hat, ist Anatomy Trains - Myofasziale Leitbahnen von Thomas W. Myers. Was mich daran besonders fasziniert, ist der Gedanke, den Körper als zusammenhängendes Netzwerk zu betrachten. Eine Spannung oder ein Schmerz muss nicht zwangsläufig dort entstehen, wo wir ihn spüren. Über die myofaszialen Leitbahnen können auch weit voneinander entfernte Strukturen miteinander in Verbindung stehen. So kann beispielsweise eine Spannung an der Fußsohle mit Spannungsmustern weiter oben im Körper zusammenhängen. Der Blick wandert dadurch weg von der einzelnen Stelle und hin zum Körper als Ganzem. Und genau diese Verbundenheit finde ich auch im Zusammenhang mit unserem inneren Erleben. Emotionen zeigen sich nicht losgelöst vom Körper, sondern können sich in Empfindungen und Bewegungen ausdrücken. So wie eine Bewegung etwas im Körper verändern kann, kann sich umgekehrt auch unser inneres Erleben in Bewegung verwandeln.


Das Fühlende Gewebe


Faszien bestehen unter anderem aus kollagenen Fasern und umhüllen und verbinden zahlreiche Strukturen unseres Körpers. Gleichzeitig sind sie reich an sensorischen Nervenendigungen. Dadurch können Informationen über Druck, Spannung und Bewegung aufgenommen und an das Nervensystem weitergegeben werden.


Nahaufnahme von Fasziengewebe im menschlichen Körper, das die Verbindung zwischen Muskeln und Bindegewebe zeigt

Für mich wird dadurch ein Gedanke besonders spannend: Unser Körper ist nicht einfach etwas, das wir bewegen. Er ist ständig in Kontakt mit uns.


Wir spüren Spannung, Weite, Druck, Wärme, Ziehen oder Leichtigkeit. Manchmal können wir genau benennen, was wir fühlen. Manchmal ist da zunächst nur eine Empfindung, für die uns die Worte fehlen.


Und manchmal verändert sich etwas, sobald wir beginnen, dieser Empfindung Raum zu geben.


Bewegung, Atmung und Verbindung


Bewegung und Atmung sind für mich zwei besondere Wege, diese Verbindung zu erfahren.


In meiner langjährigen Praxis habe ich immer wieder erlebt, wie sich durch achtsame Bewegung und Atmung etwas im Körper verändern kann. Eine Spannung kann nachlassen. Eine Bewegung wird weiter. Etwas, das sich vorher fest angefühlt hat, beginnt wieder zu fließen.


Dabei muss nicht immer alles bewusst gesteuert werden. Manchmal entsteht Veränderung gerade dort, wo wir Bewegung frei werden lassen und dem Körper folgen, wie es besonders in der Improvisation geschehen kann. Und manchmal liegt die Achtsamkeit genau darin, eine Bewegung ganz bewusst zu führen, die Atmung zu beobachten oder eine Haltung gezielt einzunehmen. Beides kann uns näher in den Körper bringen: das bewusste Führen und das bewusste Loslassen.


Gerade das finde ich so faszinierend: Wenn wir präsent werden und wirklich beginnen zu spüren, kann eine Bewegung entstehen, die wir vorher gar nicht geplant haben.



Wenn der Körper sich selbst bewegt


Besonders erlebe ich das im Tanz und in der Improvisation.


Seitliche Ansicht eines Menschen in freier Tanzbewegung, die die fließende Verbindung von Körper und Faszien symbolisiert


Es gibt Momente, in denen ich nicht mehr darüber nachdenke, wie eine Bewegung aussehen soll. Ich folge einem Impuls, einer Empfindung oder einer kleinen Veränderung in meinem Körper.


Und plötzlich entsteht etwas.


Manchmal reicht eine kleine Veränderung in der Haltung oder im Atem und im ganzen Körper beginnt sich etwas neu zu ordnen. Etwas kommt in Bewegung, löst sich, wandelt sich. Nicht unbedingt sofort und nicht immer auf eine Weise, die ich vorher hätte erwarten können.


Manchmal entsteht daraus sogar eine Art innere Information.


Nicht als fertiger Gedanke. Eher als ein körperliches Wissen: Ah. Darum ging es.


Genau deshalb ist Improvisation für mich so viel mehr als Bewegung. Sie schafft einen Raum, in dem der Körper nicht nur das ausführt, was der Verstand vorgibt. Er darf selbst antworten.



Der Körper als Ganzes


Der freie Tanz ist ein wunderbarer Weg, die Verbindung von Faszien, Bewegung und Empfindung zu erforschen. Ohne vorgegebene Schritte oder Regeln kann der Körper sich frei ausdrücken und Bewegungen entstehen lassen, die aus dem inneren Erleben heraus fließen.


Eine Veränderung an einer Stelle kann an einer anderen spürbar werden. Alles steht miteinander in Beziehung und wirkt aufeinander.


Unser Körper ist ein lebendiges System, in dem alles ineinandergreift.


Faszien verstehen heißt auch, den eigenen Körper zu erleben


Dieses Wissen wird dort lebendig, wo wir beginnen, den eigenen Körper nicht nur zu betrachten, sondern ihm Raum zu geben.


Manchmal verändert sich etwas, ohne dass wir genau sagen können, warum. Eine Empfindung wandelt sich, etwas wird frei oder eine neue Klarheit entsteht. Nicht alles muss sofort verstanden oder in Worte gefasst werden.


Das Wissen über Faszien ist für mich dabei ein wertvoller Baustein. Es eröffnet eine neue Verbindung zu uns selbst. Eine Verbindung, in der Bewegung nicht nur etwas ist, das wir tun, sondern etwas, durch das wir uns selbst begegnen.




Dein Körper erzählt seine Geschichte. Hör genau hin.

 
 
 

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